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UNTER DEUTSCHER BESATZUNG
Museumsvortrag über Aalten/NL 1940-1945
Borken. Als deutsche Truppen am 10. Mai 1940 die Niederlande überfielen, war der Schock in weiten Teilen des Landes groß. Auch in der Grenzregion Achterhoek begann eine fünfjährige Besatzungsherrschaft, die mit den moderaten Mitteln der Werbung, dann mit zunehmendem Zwang die Germanisierung und Nazifizierung der Niederländer anstrebte, den langsam aufkommenden Widerstand unterdrückte, die jüdische Minderheit bis hin zur Deportation verfolgte, die Wirtschaft und Bevölkerung für Hitlers Kriegszwecke einspannte und in wachsendem Maße Zwangsarbeiter rekrutierte.
Wie sich dies im Alltag einer Grenzgemeinde wie Aalten niederschlug und welche Reaktionen es auf die wachsende deutsche Repression und Verfolgung gab, berichtet am kommenden Mittwoch, den 15. September Dr. Volker Jakob im Stadtmuseum Borken. Sein Vortrag bildet den Herbstauftakt für die Reihe „Geschichte ist mehr“, die von der Volkshochschule und dem Heimatverein Borken mitveranstaltet wird. Einleitend präsentiert der Referatsleiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen den Einführungsfilm aus einer multimedialen DVD, die er 2006 in Kooperation mit dem Markt 12 Museum in Aalten und dem Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster produziert hat. Zeitzeugenaussagen beiderseits der Grenze spiegeln die jeweiligen Erfahrungen und Erinnerungen wider.
Und eine Besonderheit ist zu würdigen: Aalten verfügte gegen Ende des Zweiten Weltkrieges prozentual gesehen über den höchsten Anteil untergetauchter Personen: Auf 13.000 Einwohner kamen 2.500 Illegale – Juden, die verzweifelt hofften, im Versteck zu überleben, und Niederländer, die die Zwangsarbeit im Deutschen Reich verweigerten.

Beginn: 19:30 Uhr, Teilnahmegebühr: 4,00 €

Altes Rathaus, Marktpassage 6, Fon Aufsicht: 02861 / 939-242
stadtmuseum@borken.de, www.stadtmuseum.borken.de
Öffnungszeiten: Di.-Sa.15.00-18.00 h, So. 10.30-17.30 h
ÜBER DIE GRENZE – AUFNAHME MIT WACHSENDEN VORBEHALTEN Aaltener Ausstellung über die NS-Zeit im Stadtmuseum
Borken. „Markt 12“, eines der drei Gebäude der Vereinigung Aaltener Museen, war während des Zweiten Weltkriegs nicht nur das Wohnhaus einer niederländischen Familie. Während im Erdgeschoss die deutsche Ortskommandantur residierte, wurden auf dem Dachboden „onderduikers“ versteckt, die von nationalsozialistischer Verfolgung bedroht waren. Der Keller diente der Nachbarschaft zudem als Schutzraum bei Bombenangriffen. Als authentischer Ort dokumentiert die Adresse „Markt 12“ quasi den ganzen Krieg unter einem Dach und erzählt die Geschichten gewöhnlicher Menschen in einer dramatischen Zeit. Seit 2004 dient das Haus nicht nur als Museum, sondern als Lern- und Begegnungsort für Niederländer und Deutsche, für Jugendliche und Erwachsene.
In einer Sonderausstellung mit dem Titel „Grenzfälle“ hat sich das Aaltener Museum jüngst dem Schicksal von deutschen Flüchtlingen gewidmet, die zwischen 1933 und 1940 legal oder illegal in die Niederlande zu kommen versuchten, um nationalsozialistischer Verfolgung zu entgehen. Ab dem kommenden Wochenende ist die zweisprachige Ausstellung im Stadtmuseum Borken zu sehen.
In vier Zeitschnitten mit den Stichworten Anfang (Reichstagsbrand 1933), Atempause, Verschärfung und Endphase (Novemberpogrome 1938) präsentiert sie schlaglichtartig die allgemeinen Zusammenhänge. Zwölf persönliche Geschichten – von jüdischen und kommunistischen Flüchtlingen und von niederländischen Flüchtlingshelfern und öffentlichen Entscheidungsträgern – machen das Handeln einzelner Menschen zwischen Angst und Mut, Anpassung und Rückgrat, Obrigkeitstreue und Mitmenschlichkeit erfahrbar.
Erzählt wird unter anderem die Geschichte des Sozialdemokraten Alfred Mozer, der während der deutschen Besatzung im Versteck überlebte, nach Kriegsende in den Niederlanden blieb und in den 1970er Jahren maßgeblich die Bildung der ersten deutsch-niederländischen EUREGIO koordinierte. Erzählt wird auch das Schicksal von Julius Schafheimer, der bis zu seiner Emigration im Jahr 1937 ein aktives Mitglied der jüdischen Gemeinde Borken war, von Winterswijk und Amsterdam aus vergeblich auf ein Visum für die USA, Kuba und Ekuador hoffte und im Zuge der deutschen Judenverfolgungen in den Niederlanden schließlich nach Auschwitz deportiert wurde.
Auch alle vier in der Ausstellung vorgestellten niederländischen Flüchtlingshelfer – sie waren im Achterhoek Mitglieder kommunistischer bzw. jüdischer Hilfskomitees – fielen der deutschen Besatzungsherrschaft zum Opfer, starben in Konzentrationslagern oder nahmen sich zuvor das Leben.
„Dabei ist die Ausstellung erstaunlich ehrlich über die niederländische Flüchtlingspolitik“, urteilte die Gesellschaft für Exilforschung. Zwar fühlte sich das Nachbarland seinen demokratischen und humanitären Traditionen verpflichtet, andererseits aber hielt die schwere Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre das Land mit enormer Arbeitslosigkeit besonders lange im Griff. Und schließlich wollte die Regierung in Den Haag ihren außenpolitischen Neutralitätskurs peinlich wahren, um dem immer aggressiver werdenden Hitler-Deutschland keinen Vorwand für eine Intervention zu liefern. Unter diesen Bedingungen wurde die niederländische Asylpolitik – wie die der meisten europäischen Länder – immer restriktiver, immer mehr in Hitler-Deutschland Verfolgte wurden abgewiesen. Dies wirkte sich auch in der Grenzregion Achterhoek aus, die viele deutsche Flüchtlinge als Zufluchtsort bzw. Transitstation ansteuerten, und führte schließlich zu nachdrücklicher Kritik von Intellektuellen und Kirchengemeinden.
Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, den 8. August, um 11:30 Uhr lädt die Stadt Borken herzlich ein. Im Anschluss an die Begrüßung der niederländischen Gäste durch den stellvertretenden Bürgermeister Günther Dirks führen Tanja Bruggeman (Managerin der Aaltense Musea) und Museumsleiter Dr. Norbert Fasse in die Thematik ein. Unter dem Motto „Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine“ präsentiert der Gitarrist, Sänger und Rezitator Günter Gall (Osnabrück) u.a. Lieder von Bertolt Brecht, Walter Mehring und Wolf Biermann.
Öffnungszeiten: Di.-Sa. 15 -18 h, So. 10.30-17.30 h
Stimme und Musik vom Feinsten im Vennehof
Das war am Freitag, 26. März 2010 im Vennehof:
Großes Kino für die Ohren ... die Stimme von Christian Brückner und die Musik von Miles Davis (1929-1991) interpretiert von dem Hamburger Trompeter Michael Leuschner und seiner Band.
Die Pics in unserer Gallery zu diesem genussvollem Abend sind was für Ihre Augen, damit Sie sehen können, was Sie verpasst haben.
Das war die Deutsch-Niederländische Grafikbörse
Grafiken aus dem Grenzraum stehen zum Verkauf
Zu Gast im Jugendhaus: La Signora
Kleinkunst Live im Stadtmuseum: BAZAR Bizarre
Borken. Stadtmuseum. 19.Februar 2010.
Der Bandname ist Programm: Hier wird ein frecher und spontaner Mix aus Jazz, Latin, Rythm ’n’ Blues, Pop und Celtic praktiziert, melodiös, mit drei fein arrangierten Gesangsstimmen, mit virtuosen und vitalen Improvisationspassagen. Bandleader und Bassist Johathan Ihlenfeld Cuñado, wie Sängerin Maria Fernández Álvarez mit spanischen Wurzeln ausgestattet, hat ehemalige Kollegen von den Musikhochschulen Enschede und Amsterdam in einem jungen, dynamischen Projekt zusammengebracht. Mit Pianist Daan Temmink und Drummer Dirk Dronkers gewann er als Improvisationstrio "Join Dilaja" 2007 den deutschen Rock- und Pop-Preis (Sparte Jazz-Rock-Fusion). Helen Ostafew (Violine, Gesang), aufgewachsen in Großbritannien, schmuggelt Elemente aus der Celtic Music ein, Sängerin Aïcha Klei hier und da arabische Einflüsse. Alle sechs bringen zudem Erfahrungen aus anderen renommierten Formationen ein – Resultat: ein wunderbar musikalischer Bazar Bizarre.
Zu Gast in Borken: Club der toten Dichter
Dass ein Abend mit toten Dichtern auch äußerst vergnüglich sein konnte, zumindest für den einen oder anderen Gast im STADTMUSEUM Borken, hat der Club der toten Dichter verifiziert.

Nach den einleitenden Worten von Monika Böing zur Begrüssung der Gäste glänzte Marita Haselhoff (Leselust) mit dem 4ten Streich von Max & Moritz und übergab den 5ten Streich in die Hände, Stimmen und Instrumente der erfolgreichen Band aus Berlin unter dem Bandleader Reinhard "Maxs" Repke (ehemals Rockhaus).
Max Repke hatte zum 100. Todestag von Wilhelm Busch, die satirischen Bildergeschichten in Musik gewandelt und hat mit Norbert Leisegang die Stimme und das Gesicht, die den Worten Wilhem Busch, die richtige Gewichtung verleihen.
Viel Rock und Blues bringen die Wilhelm Busch Verse und Reime zum musikalischen Leben, begleitet von Tim Lorenz am Schlagzeug (der wohl leiseste Drummer in der Szene), Helge Marx tanzt mit der Oma (Bass) und Jörg Mischke glänzt am Piano u.a. mit dem Stück "Virtuos".
Das STADTMUSEUM Borken und die Gäste des Abends bekamen neben ruhigen musikalischen Passagen einige starke Rock-Passagen auf die Ohren, die so richtig wach rüttelten. Das ging richtig gut ab ...
und wann kommen die toten Dichter wieder?.
Nächstes Jahr mit Rilkes Reimen ... vielleicht? Hoffentlich!
09. Januar 1908 der Urvater des Comics, Wilhelm Busch stirbt in Mechtshausen (Harz). Er war einer der bedeutendsten humoristischen Dichter Deutschlands.
Geboren am 15. April 1832 in Wiedensahl (Schaumburger Land) als ältestes von 7 Kindern. Als 9-jähriger kommt er zu seinem Onkel Georg Kleine, Pfarrer in einem Ort bei Göttingen. Er und sein Freund Erich Bachmann, Sohn eines Müllers, bekommen von dem Pfarrer Privatunterricht. Die Freundschaft zu Bachmann, die Mühle und sicherlich auch die Streiche in den Geschichten von MAX & MORITZ wurden durch die Erlebnisse der beiden Jungs inspiriert.
Die weltberühmten Geschichten von MAX & MORITZ wurde am 04. April 1865 erstmalig veröffentlicht. Die Rechte für dieses Werk verkaufte Wilhelm Buschfür 1700 Goldmark (1 Goldmark ca. 17,82 € um 1873) an den Verleger Kaspar Braun, der damit ein Vermögen verdiente. Im hohen Alter erhielt Wilhelm Busch einen Ausgleich in Höhe von 20.000 Goldmark, die er wiederum einem wohltätigen Zweck spendete.
1864 fertigte er das Werk „Der Heilige Antonius von Padua“ an, das jedoch wegen eines Verbotes erst 6 Jahre später erschien. Nicht nur in diesem Werk, sondern auch anderswo spießte Wilhelm Busch klerikale Bigotterie und amtstheologische Verlogenheit auf, während er in seinen letzten Lebensjahren in einem evangelischen Pfarrhaus wohnte.
1868 zog Wilhelm Busch nach Frankfurt, dort lebte sein Bruder Otto un durch ihn kam er auch zu den Werken von Schopenhauer.
Bis 1884 erschienen einige seiner berühmtesten Geschichten, wie beispielsweise „Fipps der Affe“ oder „Die fromme Helene“.
1872 zog Busch wieder nach Wiedensahl, von wo er häufig zu Auslandsreisen u.a. nach Italien und die Niederlande aufbrach. 1898 zog er zu seinem Neffen, der in Mechtshausen im Harz wohnte. Dort starb Wilhelm Busch im Alter von 76 Jahren.
Neben seinen bekannten Werken malte Busch auch etwas mehr als 1000 Ölbilder, die er jedoch Zeit seines Lebens zurückhielt und die erst nach seinem Tode veröffentlicht wurden.

Zum 100sten Todestag von Wilhelm Busch, startet Reinhard Repke mit seiner Band "Club der Toten Dichter" zu einer Tournee mit selbst komponierten Stücken von Wilhelm Busch.
Reinhard Repke, bekannt durch seine vertonten Gedichte von Heinrich Heine (2007), Titel der CD "Das Buch der Lieder", macht mit seiner 5-köpfigen Band dem humoristischen Dichter Wilhelm Busch alle Ehre und wir von Borken-Live freuen uns, Ihnen die neue CD von Reinhard Repkes "Club der toten Dichter": Zweifach sind die Phantasien, Wilhelm Busch neu vertont, hier vorstellen zu können.
Klick the Button zur CD-Bestellung.
Eröffnungsausstellung: Le Chef d’œuvre inconnu
Klick the Pic zum kleinen virtuellen Bilder-Rundgang in unserer Gallery.
... mehr Info klick the button below ...
23. November Gospel-Night im Vennehof
Sondergeläut der Glocken in Borken
Das "Glockenprojekt" des Westfälischen Heimatbundes Münster zur Erinnerung des Friedenschluss zu Münster und Osnabrück (24.10.1648) wurde auch am Sonntag, 26.10.2008 durch den Heimatverein Borken mit einem Sondergeläut der Glocken von St. Remigius und der Martin-Luther-Kirche begleitet. Die auf 15 Jahre angelegte Aktion soll der Bevölkerung die Geschichte der Glocken und den tieferen Sinn des Geläutes näher bringen. Dem Normal-Verbraucher ist das Geläut ein Anhaltspunkt zur jeweiligen Tageszeit oder ein Hinweis zur anstehenden Messe, doch der ursprüngliche Sinn der Glocken und den Klängen ist umfangreicher: Glocken läuten in unterschiedlichsten Klängen, bedingt durch die jeweilige Form, Grösse und Materialbeschaffenheit weithin hörbar u.a. zur Fastenzeit, Adventszeit, Ostern und Weihnachten.
Die Bronzeglocken der Martin-Luther-Kirche sind auf die Glocken der St. Remigius-Kirche im Klang abgestimmt. Hier ein paar Eckdaten dieser Glocken:
Glocke 1) Ton: a', Umfang: 90,8 cm Ø, Gewicht: 481 kg
Inschrift: Ich will Gottes Wort rühmen, Psalm 56,5*.
Sie wurde von Oswald Böhm gestiftet.
Glocke 2) Ton: h', Umfang: 80,0 cm Ø, Gewicht: 311 kg
Inschrift: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, Psalm 46,2*
Glocke 3) Ton d'', Umfang: 67,0 cm Ø, Gewicht: 181 kg
Inschrift: Unser Glaube ist der Sieg, 1 Joh 5,4*
Glocke 4) Ton: fis', Umfang: 110cm Ø, Gewicht: 830 kg
Inschrift: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, ob er gleich stürbe. Joh 11,25*.
Sie wurde gestiftet vom Kirchbauverein Borken 1959.
Die Glocken 1-3 wurden vor 50 Jahren, am 12.10.1958 installiert und Glocke 4 am 05.10.1959.
Die Gesamtkosten inkl. Kirchturm beliefen sich damals auf 22.678,46 DM. (* Ev. Kirchengemeinde Borken 1958)
Eine Besonderheit ist in Borken existent: Die Glocke des "Alten Rathaus", die nicht lithurgisch genutzt wird. Sie ist auch der Startpunkt des Glockenprogramms von Borken, welches von Herrn Niedziella (St. Remigius) und Herrn Temminghoff (Martin-Luther-Kirche) begleitet wird.
Die Glocke des 'Alten Rathaus' wird normalerweise nur am 24. Juni geläutet, zu dem sich dann die Nachbarschaftsältesten versammeln, am Sonntag 26.10. war Sie der akustische Start zu einem einem Geläutprogramm am Nachmittag welches durch ein Friedensgebet abgeschlossen wurde. Der Vorsitzende des Heimatvereins, Alfons Thesing, überreichte als kleines Dankeschön Herrn Temminghoff etwas Lektüre und eine kleinen Stick der Friedenstaube zur Erinnerung des 'Glockentages' von Borken. Hier gehts zur Gallery: Zur Gallery
1225 Jahre St. Remigius: Spiegel des Glaubens Ausstellung im Stadtmuseum ... die Pics hier >>
MAF Räderscheidt (Bilder von links nach rechts):
Sturmzeit (2007, Öl auf Leinwand)
Selbstentgrenzung {2006, Reiskreide, schw. Tee)
Frühlingsgefühle (2007, Öl auf Leinwand)
Der Borkenstier (2008, Kohle, Kreide, Tusche, Graphit)
Die Bilder der feierlichen Eröffnung des Schily-Koppers Raum im STADTMUSEUM von Borken:
EINE MALERIN VON HOHER QUALITÄT
Julia Schily-Koppers in ungewohnt modernem Stil.
Unbetitelte, undatierte Studie, Öl auf Leinwand, Sammlung Heimatverein Borken
Borken. Dank einer vom Heimatverein Borken schon vor Jahrzehnten angelegten Sammlung ist im Stadtmuseum Borken eine beträchtliche Zahl von Zeichnungen, Skizzen und Gemälden der Malerin Julia Schily-Koppers vorhanden, die 1855 in Borken geboren wurde und 1944 in Parow bei Stralsund verstarb. Ihr Leben und Ihr Werk repräsentieren zweierlei: zum einen die im Deutschen Kaiserreich vorherrschende akademische Malweise, die auf die Genre-, Historien-, Landschafts- und Porträtmalerei konzentriert war, zum anderen den Lebensweg einer Frau, die gegen mancherlei Widerstände ihrer Zeit einen eigenständigen und für die Zeitverhältnisse sehr ungewöhnlichen Weg verfolgte. Dr. Annette Rittmann, Kunsthistorikerin am Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster, urteilte im November 2005 im Rahmen einer vom Heimatverein Borken präsentierten Ausstellung:
„Schon der erste Blick auf die Werke von Julia Schily-Koppers beweist, dass sie eine exzellente Künstlerin war, die ihr Metier der Malerei vortrefflich beherrschte. Ihre lebensechten Portraits sind nahezu fotografisch genau erfasst und bezeugen neben psychologischem Feingefühl höchste handwerklich-künstlerische Qualität.“
Im Zuge einer schrittweisen Neugestaltung der musealen Dauerausstellung möchten Heimatverein und Stadtmuseum Borken am kommenden Sonntag, dem Geburtstag der Malerin, einen ihr gewidmeten neuen Raum vorstellen.
Auch wenn dieser nur 40 qm misst, soll die Neugestaltung ein Auftakt für eine weiterführende Beschäftigung mit Leben und Werk von Julia Schily-Koppers sein. Die derzeitigen Kenntnisse sind immer noch sehr lückenhaft, zudem sind viele exemplarische, museumsdidaktisch interessante Fragestellungen zutage getreten, die auch die Kunstgeschichte des späten 19. Jahrhunderts beispielhaft beleuchten können.
Was ist über ihren ersten Ausbildungsabschnitt bei dem Kirchenmaler Dominik Mosler (1822-1880) in Münster zu ermitteln? Für welche Stilrichtungen und Motivgruppen standen ihre Düsseldorfer Akademieprofessoren Benjamin Vautier, Eduard Gebhardt und Wilhelm Sohn? Welche Impulse können der Düsseldorfer Künstlervereinigung „Malkasten“ zugeschrieben werden, deren Veranstaltungen sie häufig besuchte? Wie verlief die künstlerische Entwicklung ihrer wenigen Düsseldorfer Mitstudentinnen Sophie Meyer, Margaret Harte, Paula Monjé oder Magda Löwe? Wie intensiv waren ihre gesellschaftlichen Kontakte zu weiteren Kreisen des gehobenen kulturellen Lebens, etwa zu Prof. Hermann Grimm in Münster, bei dem sie wiederum den Brahmsfreund und Geigenvirtuosen Joseph Joachim kennenlernte? Welcher Art waren nach Studienabschluss ihre Aufträge in Hamburg und London, an welchen Ausstellungen in Düsseldorf, Berlin, Dresden, Hamburg und Liverpool nahm sie mit welchen Arbeiten teil? Um Fragen wie diesen auf den Grund zu gehen, will der Heimatverein Borken eine systematische Werkerforschung in Auftrag geben und weitere Gemälde zu erwerben versuchen.
Zur Vorstellung des neu eingerichteten Schily-Koppers-Raumes laden Heimatverein und Stadtmuseum Borken herzlich ein. Als musikalischen Beitrag präsentieren Beatrix Bassmann (Sopran) und Veronika Maksimovas (Klavier) Lieder von Peter Cornelius, dem Patenonkel von Julia Schily-Koppers‘ Ehemann Leo Schily.
Bildbeschreibungen:
1 - Ben Joosten: Parade I aus der Serie Staatsbelang (Staatsräson) I, 2006, Buchdruck
2 - Afscheid (Abschied) für Hans van der Grinten, 1991, Buchdruck
3 - Detail aus Ben Joosten: De lancering van het alfabet (Die Schubkraft, das Abheben des Alphabets), 2005-2007, Großobjekt aus 333 gerollten Druckbögen
4 - Eberhard Zummach: Gobelin magnétique, 2007, Wandinstallation, im Vordergrund ein Teil seines Objektes „34 Gramm“
5 - Dr. Ger Luijten (Rijksmuseum Amsterdam)
6 - Ensemble aus „Composed“: Im Vordergrund das Stabilé „34 Gramm“ von Eberhard Zummach, an der Wand fünf Arbeiten von Ben Joosten; von links: Verlust (2006), Maestro (Jongleur, 2006), Der Einzug des Alphabets in Rom (2007), Bronzegießer (2006), Drummer (1988)
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